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First In, First Out (FIFO): Bedeutung, Regel und Unterschied zu LIFO

Harry Henry Thompson Carter • 2026-06-20 • Gepruft von Oliver Weber

Jeder, der schon einmal das Mindesthaltbarkeitsdatum auf einer Milchpackung geprüft hat, kennt das Prinzip: Das Älteste zuerst verbrauchen. In der Buchhaltung heißt dieses Prinzip FIFO – First In, First Out – und es hat weitreichende Folgen für Bilanzen und Steuern. Dieser Artikel zeigt, was FIFO genau bedeutet, wie es sich von LIFO und FEFO unterscheidet und warum die Methode für deutsche Unternehmen nach HGB und IFRS so relevant ist.

FIFO steht für: „First In, First Out“ ·
Bedeutung: Älteste Bestände werden zuerst verkauft oder verbraucht ·
Häufigste Anwendung: Lagerhaltung von Lebensmitteln, Mode und verderblichen Waren ·
Gegenteil: LIFO (Last In, First Out) ·
Verbreitung nach IFRS: FIFO ist die bevorzugte Methode

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Fakten zur FIFO-Methode zusammen.

Fakten zur FIFO-Methode auf einen Blick
Eigenschaft Wert
Herkunft Begriff aus der Logistik
Anwendung Lagerverwaltung und Rechnungslegung
Bekanntheit Weit verbreitet in der Praxis
Vorteil Vermeidung von Verderb
Nachteil Höhere Steuerlast bei Inflation
Zulässigkeit nach HGB Ja, § 256 HGB (Universität Gießen (Lehrstuhl für Betriebswirtschaft))
Zulässigkeit nach IFRS Ja, LIFO dagegen nein (IWW (Fachverlag für Steuerberater))
Steuerliche Wirkung Höherer Gewinn bei steigenden Preisen (Agicap (Finanzmanagement-Plattform))
Alternative Verfahren Durchschnittsmethode, LIFO, FEFO

Was bedeutet „First In, First Out“?

Definition der FIFO-Methode

FIFO steht für „First In, First Out“ und beschreibt ein Bewertungsvereinfachungsverfahren für Vorräte. Die ältesten Bestände – zeitlich zuerst angeschafft oder hergestellt – gelten als zuerst verbraucht oder verkauft. Das Rechnungswesen-Portal (Fachportal für Buchhaltung) definiert FIFO als Annahme, „dass die zuerst angeschafften oder hergestellten Bestände als zuerst verbraucht bzw. veräußert gelten“.

Herkunft des Begriffs

  • Der Begriff stammt aus der Logistik und wurde später in die Rechnungslegung übernommen.
  • In der deutschen Handelsbilanz wird FIFO als Sammelbewertungsverfahren für gleichartige Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens behandelt (Rechnungswesen-Info (Bildungsportal)).
Der Kern

FIFO ist keine Erfindung der Buchhalter, sondern eine logische Konsequenz aus dem Warenfluss im Lager. Wer verderbliche Ware lagert, kommt an FIFO praktisch nicht vorbei.

Das Fazit aus diesem Abschnitt: FIFO ist ein praktisches Prinzip, das direkt aus der Lagerlogistik in die Bilanzierung übernommen wurde.

Was ist der Unterschied zwischen FIFO, LIFO und FEFO?

Drei Methoden, ein Ziel – den Wert des Lagers zu bestimmen. Doch sie folgen unterschiedlichen Regeln und haben ganz verschiedene Konsequenzen für Gewinn und Steuern.

FIFO, LIFO und FEFO im direkten Vergleich
Kriterium FIFO (First In, First Out) LIFO (Last In, First Out) FEFO (First Expiry, First Out)
Reihenfolge Älteste Bestände zuerst Neueste Bestände zuerst Bestände mit frühestem Verfall zuerst
Anwendungsbereich Standard in Handel, Logistik, Buchhaltung Selten, nur bei steigenden Preisen vorteilhaft Verderbliche Güter, Pharma, Lebensmittel
Auswirkung bei Inflation Höherer Gewinn (niedrigere Kosten) Niedrigerer Gewinn (höhere Kosten) Kein direkter Effekt – Fokus auf Verderb
Zulässigkeit nach HGB Ja (IWW (Fachverlag für Steuerberater)) Ja, § 256 HGB Nicht explizit geregelt, aber in der Praxis üblich
Zulässigkeit nach IFRS Ja Nein (IWW (Fachverlag für Steuerberater)) Nicht explizit, aber als Grundsatz der Ordnungsmäßigkeit anerkannt

Vergleich der Bewertungsmethoden

  • FIFO unterstellt einen zeitnahen Verbrauch älterer Bestände – das entspricht dem natürlichen Warenfluss bei vielen Produkten.
  • LIFO geht vom Gegenteil aus: Die zuletzt gekauften Waren werden zuerst verkauft. Das kann bei steigenden Einkaufspreisen den Gewinn senken.
  • FEFO ignoriert das Einkaufsdatum und stellt das Verfallsdatum in den Vordergrund – ideal für Lebensmittel und Medikamente.
Das Paradox

Obwohl FIFO die natürlichste Methode für den Warenfluss ist, bestraft sie Unternehmen in Zeiten der Inflation mit höheren Steuerzahlungen – weil der scheinbare Gewinn steigt, ohne dass dafür mehr Geld in der Kasse ist.

Vor- und Nachteile von FIFO vs. LIFO

Upsides von FIFO

Downsides von FIFO

  • Höhere Gewinnausweis bei Inflation – höhere Steuerlast (Agicap (Finanzmanagement-Plattform))
  • Erfordert systematische Lagerverwaltung (Kennzeichnung, IT)
  • Kann bei stark schwankenden Preisen zu verzerrten Bestandswerten führen

FEFO für verderbliche Waren

Für Lebensmittel, Pharma und andere Produkte mit Verfallsdatum ist FEFO oft die einzig sinnvolle Methode. Nach Angaben des Modulearn-Bildungsportals (für Logistikberufe) wird FEFO „für verderbliche Güter empfohlen“, weil es das Verfallsdatum und nicht das Eingangsdatum priorisiert. FIFO allein kann hier zu unnötigen Abschreibungen führen, wenn ein Produkt trotz früheren Eingangs später abläuft als ein neueres.

Was dieser Vergleich zeigt: Jede Methode hat ihre Berechtigung – die Wahl hängt von der Branche, den Lagerbedingungen und den Bilanzierungsvorschriften ab.

Was ist die FIFO-Regel?

Anwendung der FIFO-Regel im Lager

  • Grundregel: Älteste Bestände zuerst auslagern – egal ob Wareneingang oder Herstellungsdatum.
  • Typische Umsetzung: Barcode-Scans, Regalkennzeichnung mit Datum, automatisierte Kommissionierung.
  • Nach Modulearn (Bildungsplattform für Logistik) wird FIFO in der Praxis häufig eingesetzt, „weil es der physischen Warenbewegung bei verderblichen oder sich verändernden Beständen entsprechen kann“.

FIFO in der Buchhaltung

In der Rechnungslegung nach HGB und IFRS ist FIFO kein Lagervorschrift, sondern ein Bewertungsverfahren. Die Universität Gießen (Lehrstuhl für Betriebswirtschaft) beschreibt FIFO in einem Übungsskript als „Annahme, dass zuerst angeschaffte Vorräte zuerst verbraucht werden“. Das bedeutet: Die Kosten der ältesten Lieferung werden dem Wareneinsatz zugerechnet, die aktuelleren Einkaufspreise bleiben im Bestand. Das kann den Bestandswert in der Bilanz erhöhen, wenn die Preise gestiegen sind.

Praxishinweis

Viele kleine Unternehmen ohne Warenwirtschaftssystem setzen FIFO nur „auf dem Papier“ um, indem sie bei jeder Entnahme den ältesten Bestand zuerst buchen. Das ist zwar handwerklich korrekt, aber ohne digitale Erfassung kaum prüfbar.

Das bedeutet für die Praxis: FIFO in der Buchhaltung erfordert eine saubere Dokumentation – das reine Buchen nach Datum reicht ohne Systemunterstützung auf Dauer nicht aus.

Ist es besser, nach FIFO oder LIFO zu verkaufen?

Steuerliche Auswirkungen von FIFO und LIFO

Die Wahl der Methode hat direkte Folgen für den ausgewiesenen Gewinn. Bei steigenden Preisen (Inflation) führt FIFO zu einem höheren Gewinn, weil die günstigeren älteren Einkaufspreise dem Wareneinsatz zugeschlagen werden. Agicap (Finanzmanagement-Plattform) weist darauf hin, dass „die FIFO-Bewertung zu anderen Ergebnissen als die Durchschnittsmethode führen kann, weil ältere und neuere Anschaffungskosten in unterschiedlicher Reihenfolge eingehen“.

Einfluss auf den Gewinn

  • FIFO: Höherer Gewinn bei Inflation – mehr Steuern.
  • LIFO: Niedrigerer Gewinn bei Inflation – weniger Steuern, aber in vielen Ländern nicht erlaubt (IWW (Fachverlag für Steuerberater)).
  • Durchschnittsmethode: Glättet die Effekte, aber spiegelt nicht den tatsächlichen Warenfluss wider.
Worauf zu achten ist

Ein scheinbar höherer Gewinn durch FIFO lockt nicht nur das Finanzamt an, sondern kann auch die Ausschüttungsspielräume in einer GmbH künstlich aufblähen – Geld, das dann für Steuern weg ist, statt für Investitionen.

Die Konsequenz für Entscheider: FIFO ist oft die einzige IFRS-konforme Wahl – der Steuernachteil ist in Kauf zu nehmen oder durch andere Maßnahmen zu kompensieren.

Warum ist LIFO verboten?

LIFO-Verbot nach IFRS

Die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS verbieten LIFO ausdrücklich. Das Fachportal IWW (für Steuer- und Wirtschaftsrecht) nennt dies als einen der zentralen Unterschiede zwischen HGB und IFRS. Der Grund: LIFO bildet in den meisten Fällen nicht den tatsächlichen Warenfluss ab und kann zu veralteten Bestandswerten in der Bilanz führen – ein Problem für die Entscheidungsnützlichkeit der Abschlüsse.

LIFO in den USA erlaubt

  • Die USA erlauben LIFO unter bestimmten Bedingungen – das ist eines der wenigen Länder, in denen die Methode noch breit angewendet wird (EY (Wirtschaftsprüfungsgesellschaft)).
  • In Deutschland ist LIFO nach HGB grundsätzlich zulässig, wird aber in der Praxis kaum genutzt, weil die steuerlichen Vorteile in Zeiten niedriger Inflation gering sind und der Aufwand für die Umstellung hoch ist.
Die Krux

Wer als deutsches Unternehmen eine ausländische Konzernmutter mit US-Bilanzierung hat, muss oft doppelt buchen: für den deutschen Abschluss nach HGB (FIFO oder LIFO möglich) und für den Konzernabschluss nach IFRS (nur FIFO). Das treibt den Aufwand.

Das Dilemma für international tätige Firmen: Das LIFO-Verbot nach IFRS zwingt zur FIFO-Methode, auch wenn LIFO steuerlich vorteilhafter wäre.

Bestätigte Fakten und was unklar bleibt

Bestätigte Fakten

  • FIFO ist eine weit verbreitete Methode der Bestandsbewertung (Rechnungswesen-Portal (Fachportal für Buchhaltung))
  • LIFO ist nach IFRS nicht erlaubt (IWW (Fachverlag für Steuerberater))
  • Nach § 256 HGB sind FIFO und LIFO in Deutschland zulässig (Universität Gießen (Lehrstuhl für Betriebswirtschaft))
  • FIFO führt bei Inflation zu einem höheren Gewinn als LIFO (Agicap (Finanzmanagement-Plattform))

Was unklar ist

  • Ob LIFO in Zukunft auch in den USA abgeschafft wird
  • Die genauen steuerlichen Auswirkungen variieren je nach Land und Steuerrecht
  • Inwieweit FIFO in der Praxis tatsächlich die physische Warenbewegung abbildet – das hängt stark von der Lagerorganisation ab (Modulearn (Bildungsplattform für Logistik))
  • Ob FEFO in der Breite tatsächlich die Verderbnisquoten bei Lebensmitteln senkt – verlässliche Langzeitstudien dazu fehlen

Interviews und Expertenstimmen

„FIFO assumes that the oldest inventory is sold first.“

Investopedia (finanzwirtschaftliches Nachschlagewerk)

„FIFO und LIFO sind in der Rechnungslegung Bewertungsvereinfachungsverfahren, die von der tatsächlichen Verbrauchsfolge abweichen können.“

Wikipedia (freies Online-Lexikon)

„Die Zielsetzung von HGB und IFRS unterscheidet sich grundlegend: HGB ist gläubigerschutzorientiert, IFRS informationsorientiert.“

Herrmann & May (Steuerberatungskanzlei)

„Die FIFO-Bewertung kann zu anderen Ergebnissen als die Durchschnittsmethode führen.“

– Agicap (Finanzmanagement-Plattform)

Schritte zur Umsetzung von FIFO im Lager

  1. Bestände kennzeichnen: Jede Charge oder jedes Produkt mit Eingangsdatum oder Verfallsdatum versehen – am besten mit Barcode oder RFID.
  2. Regalplatzierung nach Datum: Ältere Bestände nach vorne, neuere nach hinten einlagern („FIFO-Prinzip“ im Regal).
  3. Auslagerung nach FIFO: Bei der Kommissionierung zuerst die ältesten Bestände entnehmen – entweder manuell oder durch Lagerverwaltungssystem gesteuert.
  4. Digitale Erfassung: Jede Entnahme im System buchen, damit die Bestandsbewertung nach FIFO automatisch erfolgen kann (Modulearn (Bildungsplattform für Logistik)).
  5. Regelmäßige Inventur: Prüfen, ob die physische Lagerordnung noch der FIFO-Logik entspricht – vor allem nach saisonalen Spitzen.
Der Trade-off

Ohne Warenwirtschaftssystem ist FIFO im Lager kaum dauerhaft durchzuhalten. Die manuelle Kontrolle kostet Zeit, und Fehler führen zu verfälschten Bestandswerten. Digitale Tools lohnen sich ab etwa 500 verschiedenen Artikeln.

Fazit

FIFO ist mehr als eine Buchhaltungsregel – es ist ein grundlegendes Prinzip des Warenflusses, das in der Praxis und in der Bilanz gleichermaßen wirkt. Für Unternehmen mit verderblichen Gütern oder stark schwankenden Preisen ist FIFO oft die einzig sinnvolle Wahl. Die Kehrseite: In Zeiten der Inflation steigt die Steuerlast, und der ausgewiesene Gewinn kann höher sein als das tatsächlich verfügbare Geld. Für den deutschen Mittelstand, der nach HGB bilanziert, ist die Entscheidung klar: Wer IFRS-konform arbeiten muss oder die natürliche Warenbewegung abbilden will, kommt an FIFO nicht vorbei. Wer dagegen steuerlich optimieren möchte, muss prüfen, ob LIFO oder die Durchschnittsmethode unter dem Strich günstiger ist – und ob der Aufwand für die Umstellung den Nutzen rechtfertigt. Das Fazit für die Praxis: Unternehmen mit verderblichen Waren oder IFRS-Pflicht haben keine echte Alternative zu FIFO – sie müssen den Steuernachteil bei Inflation als Preis für die korrekte Bilanzierung akzeptieren.

Häufig gestellte Fragen

Wie berechnet man den FIFO-Wert?

Man nimmt die Anschaffungskosten der ältesten Bestände und multipliziert sie mit der verkauften Menge. Die Formel: Wareneinsatz = Menge × älteste Stückkosten. Beispiel: 100 Stück zu 5 € und 100 Stück zu 6 € – werden 120 Stück verkauft, sind die ersten 100 zu 5 € und die restlichen 20 zu 6 € anzusetzen. (Rechnungswesen-Portal (Fachportal für Buchhaltung))

Welche Branchen nutzen FIFO?

FIFO wird in fast allen Branchen eingesetzt, die Waren lagern: Lebensmittelhandel, Mode, Elektronik, Baumärkte, Pharma, Automobilteile. Besonders wichtig ist es bei verderblichen Gütern. (Modulearn (Bildungsplattform für Logistik))

Ist FIFO in der Gastronomie vorgeschrieben?

Nein, es gibt keine gesetzliche Pflicht. Die Lebensmittelhygieneverordnung empfiehlt jedoch das FIFO- oder FEFO-Prinzip, um Verderb zu vermeiden. In der Praxis setzen die meisten Küchen FIFO um. (Agicap (Finanzmanagement-Plattform))

Was ist der Unterschied zwischen FIFO und durchschnittlichen Kosten?

FIFO bewertet jeden Abgang mit den Kosten der jeweils ältesten Charge. Die Durchschnittsmethode bildet einen gleitenden Mittelwert aller Bestände. Bei steigenden Preisen führt FIFO zu einem höheren Endbestandswert, die Durchschnittsmethode glättet die Schwankungen. (IWW (Fachverlag für Steuerberater))

Kann FIFO bei Dienstleistungen angewendet werden?

Eigentlich nicht, denn FIFO bezieht sich auf Vorräte (Waren). Bei Dienstleistungen gibt es keine physischen Bestände. Allerdings gibt es analoge Ansätze, etwa bei der Reihenfolge der Auftragsbearbeitung (First In, First Served).

Wie wirkt sich Inflation auf FIFO aus?

Bei Inflation steigen die Preise. Da FIFO die günstigeren älteren Kosten dem Wareneinsatz zurechnet, bleibt der Gewinn scheinbar hoch – und damit die Steuerlast. Tatsächlich müssen die teureren Neubestände später finanziert werden. Dieser Effekt wird als „Scheingewinn“ bezeichnet. (Agicap (Finanzmanagement-Plattform))

Welche Software unterstützt FIFO?

Gängige Warenwirtschaftssysteme wie SAP, Microsoft Dynamics, lexoffice, DATEV oder Odoo bieten FIFO-Bewertung an. Auch einfache Kassensysteme mit Lagerfunktion können FIFO abbilden, wenn sie ein Eingangsdatum speichern. (Modulearn (Bildungsplattform für Logistik))

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